Einfache Grundrisse: Warum sie sich besser verkaufen

Wer Motorräder schraubt oder Fahrwerke abstimmt, kennt das Prinzip: Was einfach aufgebaut ist, lässt sich einfacher warten, schneller reparieren und zuverlässiger betreiben. Ein Einzylinder-Motor mit überschaubarer Elektronik gibt weniger Rätsel auf als eine vollverkapselte Sechszylinder-Einheit mit 40 Steuergeräten. Dieses Prinzip gilt nicht nur in der Werkstatt. Es greift genauso beim Immobilienkauf, und zwar mit messbaren Konsequenzen für Preis, Vermarktungsdauer und Käuferzufriedenheit.

Was ein „einfacher Grundriss“ überhaupt bedeutet

Ein einfacher Grundriss ist kein schlechter Grundriss. Er beschreibt Wohnungen oder Häuser mit einer klaren Raumaufteilung, wenig verwinkelte Ecken, durchgehenden Außenwänden ohne Vor- und Rücksprünge und einer logischen Wegeführung von Eingang zu Wohnraum zu Schlafbereich. Flure sind kurz oder fehlen ganz. Abstellräume liegen dort, wo man sie erwartet. Fenster sitzen gegenüber von Türen, sodass Querlüftung ohne Umwege funktioniert.

Das Gegenteil davon sind Grundrisse, die aus dem Reißbrett eines Architekten stammen, der primär eine Fassade gestalten wollte. Versetzte Ebenen, dreieckige Zimmer, Galerien über dem Wohnzimmer, Badezimmer ohne Fenster, halbe Stockwerke: Das mag auf Renderings spektakulär wirken. In der Praxis schränkt es die Nutzbarkeit erheblich ein.

Zahlen, die das bestätigen

Eine Auswertung von Inseratsdaten aus deutschen Großstädten zeigt, dass Wohnungen mit rechteckigem Grundriss und einer Zimmerzahl zwischen drei und vier im Schnitt 18 bis 23 Prozent schneller verkauft werden als vergleichbare Objekte mit komplexer Raumstruktur bei gleicher Lage und ähnlichem Preis pro Quadratmeter. Besonders deutlich ist dieser Unterschied in Märkten mit hohem Eigennutzeranteil, also dort, wo Familien und nicht Kapitalanleger kaufen.

Für Vermieter ergibt sich ein ähnliches Bild: Wohnungen mit einfachem Grundriss haben statistisch kürzere Leerstandszeiten. Der Grund ist simpel. Möbel lassen sich rechtwinklig in rechtwinklige Räume stellen. Ein 12-Quadratmeter-Zimmer in L-Form hat effektiv nutzbare 8 Quadratmeter, weil in den Winkeln kein Standardmöbel sinnvoll steht.

Warum Architekten trotzdem komplexer bauen

Architekten werden selten dafür bezahlt, dass Wohnungen gut funktionieren. Sie werden für Auszeichnungen, Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und den Wiedererkennungswert von Fassaden bezahlt. Das ist keine Kritik, sondern eine Beschreibung von Anreizstrukturen. Ein Gebäude, das einen Architekturpreis gewinnt, hat fast immer eine spannende Hülle. Ob die Wohnungen darin gut möblierbar sind, steht in keiner Jury-Bewertung.

Hinzu kommt, dass komplexe Grundrisse in der Planungsphase Spielräume öffnen: verschiebbare Wände, multifunktionale Bereiche, offene Zonen ohne klare Zuordnung. Was im Konzept nach Flexibilität klingt, wird im Alltag oft zur Quelle von Unsicherheit. Wer eine Wohnung kauft, will wissen, was er bekommt, und nicht, was er daraus machen könnte.

Der Markt in Stuttgart als Beispiel

Stuttgart ist ein guter Referenzmarkt, weil dort Nachfrage, Kaufkraft und Angebotsknappheit zusammentreffen. Wer sich in der Region auf die Suche nach einem Objekt begibt, trifft häufig auf einen Immobilienmakler Stuttgart, der aus der täglichen Erfahrung heraus bestätigt: Objekte mit klarem Grundriss stehen kürzer im Angebot. Käufer mit konkretem Nutzungswunsch, Familie mit zwei Kindern, Paar mit Homeoffice-Bedarf, entscheiden sich schneller, wenn die Raumaufteilung auf den ersten Blick funktioniert.

Stuttgart zeigt auch, dass der Preisunterschied zwischen funktionalem und gestalterisch ambitioniertem Grundriss nicht immer zugunsten des Designs ausfällt. Objekte in Hanglagen mit aufwendiger Erschließung, Dachterrassen über mehrere Ebenen und Maisonette-Konstruktionen sind zwar teuer in der Herstellung, erzielen aber im Verkauf nicht proportional höhere Quadratmeterpreise. Die Mehrkosten trägt am Ende oft der Erstbesitzer.

Was einfach nicht bedeutet: billig oder langweilig

Ein klarer Grundriss schließt hochwertige Materialien nicht aus. Er schließt auch Gestaltung nicht aus. Große Fenster, gute Raumhöhe, ein durchdachtes Badezimmer mit Tageslicht: Das alles ist mit einem einfachen Grundriss vereinbar. Der Unterschied liegt darin, ob die Gestaltung dem Grundriss folgt oder der Grundriss der Gestaltung geopfert wird.

Konkret bedeutet das zum Beispiel:

  • Zimmer ab 3,50 Meter Mindestbreite, damit ein Bett mit Nachtschränken Platz findet
  • Küchen mit mindestens einer geraden Wand für eine durchgehende Arbeitszeile
  • Badezimmer mit Fenstern, nicht nur mit Lüftungsschächten
  • Flure unter 8 Prozent der Gesamtwohnfläche
  • Kein Zimmer, das nur durch ein anderes Zimmer erreichbar ist

Diese Kriterien klingen banal. Sie sind es nicht. Viele Neubauprojekte der letzten 15 Jahre erfüllen mehrere davon nicht, weil Grundstückszuschnitte, Abstandsregeln und der Wunsch nach maximaler Ausnutzung zu Kompromissen gezwungen haben, die auf dem Papier wie Lösungen wirken und im Alltag wie Probleme.

Was das für Käufer und Verkäufer konkret heißt

Wer kauft: Ein einfacher Grundriss ist ein Resilienzfaktor. Er macht eine Wohnung für mehr Lebenssituationen nutzbar. Das Kinderzimmer wird Homeoffice, das Arbeitszimmer wird Gästezimmer. Das funktioniert mit rechteckigen Räumen deutlich besser als mit Sonderformen. Außerdem ist ein einfacher Grundriss leichter zu vermieten, falls der Eigennutzer irgendwann auszieht.

Wer verkauft: Ein Objekt mit klarem Grundriss lässt sich in der Vermarktung schneller und konkreter kommunizieren. Grundrisszeichnungen, die auf einen Blick verständlich sind, erzeugen mehr Anfragen. Käufer müssen sich weniger vorstellen, sie sehen sofort, ob das Objekt zu ihnen passt. Das reduziert Besichtigungen ohne Abschluss und beschleunigt den Prozess.

Das Prinzip aus der Werkstatt gilt also auch hier: Was übersichtlich konstruiert ist, funktioniert länger, lässt sich besser anpassen und macht im Alltag weniger Ärger. Spektakuläre Lösungen sind manchmal genau das, nach Sonderlage, Sonderanforderung und Sonderlösung für ein Problem, das kein anderes Objekt hätte.